Hey lieber Martin, erzähl uns doch vielleicht erstmal wer du bist und was du machst?

Wer bin ich denn eigentlich? Na, wenn ich das manchmal so selbst wüsste. Ich hab ja schon einige Jährchen auf dem Buckel. Daher kommt auch einiges in meinem Lebenslauf zusammen. Was allerdings nicht heißt, dass ich mich mit dem aufgrund der vielen Lücken, (ne, umgekehrt, der wenigen ausgefüllten beruflichen Jahre, die ein Personalchef so sehen will) irgendwo in einem normalen Beruf bewerben könnte. Macht aber nichts. Ich habe mir in jungen Jahren schon geschworen niemals eine Krawatte oder ähnliche modische Abartigkeiten tragen zu wollen. Außerdem wollte ich immer aus dem Bett raus arbeiten. Kaum zu glauben. Bis vor Kurzem hab ich das sogar geschafft. So jetzt wisst ihr alles und gar nichts.

Daher noch etwas mehr zu meinem Lebenslauf in den vergangenen 18 Jahren, denn so lange bin ich aus Deutschland weg. Dive und Trekking Guide auf den Philippinen, Suche nach dem Ich und der Bestimmung in Thailand, Pferde trainieren mit den Gauchos in Uruguay, dann ein eigenes Reiseunternehmen in Uruguay eröffnet. Jetzt fragt ihr euch: Wieso arbeitet der aus dem Bett? Ok, ich schreibe zudem für RTL im Advertising-Bereich und betreibe 2 Blogs: Das Lateinamerika Reisemagazin http://www.lateinamerika-reisemagazin.com und meine Reiseseite Uruguay erleben http://www.uruguay-erleben.de.

Wie bist du heute morgen in den Tag gestartet?

Wie fast immer. Gut gelaunt und voll des Abenteuerdrangs. Ne, um ca. 6 Uhr aufgestanden – Wecker kenne ich nicht – und angefangen zu schreiben. Das geht jetzt ohne Probleme, da in Uruguay die Reisezeit vorbei ist. Kann ich bis Oktober in die Tasten hauen, bevor es wieder losgeht. Muss jetzt vorarbeiten, um später meine Nichtanwesenheit kompensieren zu können. Geht in dem Job als Texter zum Glück. So kann ich mehrgleisig fahren.

Was hat dich nach Uruguay verschlagen?

Der Zufall. Sonst nichts. Meine Tocher war in Asien in einem Krankenhaus. Damals gingen gerade die Twin Tower in New York zu Bruch. Die Welt war ein Chaos. Nichts war mehr sicher. Auch in Asien gab es zahlreiche Terrorakte. Außerdem dieses scheinheilige Grinsen bei den asiatischen Behördenangestellten. Die größten Puffs sind dort wo Prostitution verboten ist. Und dann immer die Korruption. Das bekommt man als Reisender nicht mit. Wenn du dort mal ein paar Jahre gelebt hast, hängt dir das zum Hals raus. In Thailand bekommt jeder Zuhälter einen Ausweis, er muss nur kräftig Bargeld hinlegen. Ich habe damals in dem Thai-Krankenhaus eine Ausgabe vom Nachrichtenmagazin „der Spiegel“ gesehen. Und da war ein Leserkommentar zum Thema „Auswanderung in Uruguay“ drin. Hatte ich nie von gehört. Ok, habe ich mich dann mal drangesetzt und etwas im WWW geforscht. Wir reden hier von dem Jahr 2003. Da gabs noch gar nichts in der Hinsicht. Keine Auswandererforen oder Facebook Gruppen. Alles Neuland. Trotzdem, allein schon der Hinweis, dass es keine Korruption (oder kaum) dort gibt, war schon Anreiz genug mal zu schauen. Also alle 7 Sachen gepackt (ein Rucksack hatte jeder von uns) und ab rund um den halben Erdball.

Wie lief die Vorbereitungszeit ab? Gab es diese in ausreichender Form?

Hab ich alles schon gesagt. Es gab keine Vorbereitungszeit. Es gab auch keine Infos in deutscher Sprache außer oberflächliches Gelalle von Reiseanbietern. Aber auch sehr wenig davon.

Was waren deine ersten Eindrücke und Erfahrungen?

Kalt, sehr kalt. Wir kamen im August dort an. Es war tollster Sonnenschein. Aber als wir gelandet waren, schlug uns eine Kältemauer voll ins Gesicht. Ich vergaß – wir waren auf der Südhalbkugel und es war mitten im Winter. Nach 5 Jahren zum ersten Mal wieder fast Frost gespürt und das mit Badelatschen und T-Shirt.

Gab es Überraschungen?

Nein. Das war auch der Grund warum wir dahin sind. Um eben genau Überraschungen, vor allem die unangenehmen, zu vermeiden. Es war alles weitaus angenehmer als gedacht. Und das trotz der fehlenden Sprachkenntnisse. Halt! Stop! Die Kälte, doch, die war überraschend kalt.

Hat es lange gedauert bis du dich eingelebt hast? Fiel es leicht, sich zu integrieren?

Nein, ich bin wie ein Chamäleon. Ich komme überall zurecht. Und wenn nicht, dann gehe ich etwas weiter. Aber hier scheine ich wohl mal fürs Erste hängengeblieben zu sein. Sind ja doch schon um die 15 Jahre, die ich hier bin.

Wie würdest du die Uruguayer beschreiben? Oder verbringst du mehr Zeit mit anderen Internationals?

Ich verbringe 0 Zeit mit Deutschen und anderen Ausländern, abgesehen von Argentiniern. Außer wir haben Gäste. Das hat aber nichts mit dem Leben vor Ort zu tun. Es gibt hier einige Deutsche im Ort – glaub 4 oder 5 -, aber einen Kontakt hab ich nur mit einem und auch nur deshalb, weil der PCs repariert. Ansonsten nee. Ich suche das auch nicht. Bin ja nicht aus Deutschland weg, um mich dann mit Deutschen zu treffen. Wie absurd ist das denn? Viele lamentieren sowieso immer nur rum. Versteh ich nicht. Wollen aus Deutschland weg, weil es da angeblich so scheiße ist und jammern dann in ihrer Wahlheimat ständig über alles was nicht so funzt wie in Deutschland. Kommen auch immer mehr von den National-Braunen an. Das ist noch perverser. Die wollen ein besseres Deutschland und hauen ab. Absurd, oder etwa nicht? Aber die Afd-Parteichefin machts ja vor. Zahlt ja auch ihre Steuern in der Schweiz. All diesen Konsorten empfehle ich auf jeden Fall zu Hause zu bleiben und gar nicht über eine Uruguay Auswanderung nachzudenken. Einfach aus dem Grund, weil sie ja die deutschen Leitkultur über alles andere stellen. Zwangsläufig als Einwanderer werden sie damit aber, ich sags mal etwas salopp, kräftig auf die Fresse fallen. Denn ein Uruguayer wird jedem Deutschen, der was an der einheimischen Kultur oder dem Brauchtum oder den Sitten zu maulen hat, sagen, dass er dort hingehen soll, woher er kommt. Niemand hätte ihn eingeladen.

Welche Teile der Stadt/des Landes würdest du zum Wohnen empfehlen und warum?

Das kann man so nicht sagen. Ich biete ja Uruguay Einwanderungsreisen an. Da gehen wir ganz speziell auf die Thematik ein. Jeder hat andere Vorstellungen vom Umfeld. Hinzu kommt, dass mit Kindern, einer Krankheit oder aus beruflichen Gründen nicht überall in Uruguay gut leben kann. Ich wohne kurz vor der brasilianischen Grenze in einem schnuckeligen Badeort, der La Paloma heißt. 10 Monate im Jahr ist da gar nichts los. Surfen, Kiten, Wale, Pinguine, Pferde etc. Wind und Wetter,- teilweise raues Atlantik-Klima. Geil. 2 Monate ist Saison (Januar und Februar). Dann platzt der Ort aus den Nähten. Vor allem Brasilianer und Argentinier kommen in Massen. Aber 2 Monate sind ok. Das Landesinnere ist zwar nicht wesensleer aber menschenleer. Rinder und Pferde gibts in Massen. Wem es gefällt. Warum nicht?

Auch wenn diese Frage natürlich sehr individuell zu beantworten ist: Was ist das durchschnittliche Budget pro Monat? Was würdest du als Minimum empfehlen?

Uruguay ist teuer, sehr teuer. Aber halt im Vergleich zu anderen lateinamerikanischen Ländern sicher und ziemlich europäisch (was nicht immer ein Vorteil ist). Dennoch alles geht gesittet ab. Und man kann es kaum glauben. Ich habe noch nie einen Pesos Korruption gezahlt in all den Jahren. Irgendwie ist das wie eine große Familie hier. 3,3 Millionen Einwohner auf einer Fläche halb so groß wie Deutschland. Die Einwohner Berlins verteilt auf halb Deutschland. Man kann sich unschwer vorstellen wie viel Platz hier ist. Wer einfach leben will und kann und allein ist, braucht ca. 1000 Euro im Monat.

Was war dein bisher schönster Moment in Uruguay?

Mir gefällt es immer und fast überall, ausser in Städten. Bin mittlerweile 5 mal im Land umgezogen. Hab am Rio de la Plata gewohnt. Ein Fluss, der 220 km breit ist. Muss man sich mal vorstellen. Dann am Atlantik. Aber auch im Landesinneren. Es ist alles schön. Schöne Momente. Ne, weiß ich nicht.

Und der Schlechtestes?

Genau so. Eins vielleicht. Ich wurde mal von einem Autofahrer auf meinem Fahrrad niedergemacht. Intensivstation, Schädel auf, bin jetzt voll von Eisen. Aber ich habs überlebt. War wohl nicht gerade ein gutes Erlebnis.

Planst du für immer dort zu bleiben? Könntest du es dir vorstellen?

Ich plane gar nichts. Das ist das Gute. Ich kann gehen wann immer ich will. Ob ich das tue, weiß ich nicht. Ich stelle mir auch nichts vor. Ich bin ja damals nicht aus Deutschland weg, weil es mir dort nicht gefallen hat. Es hat mich einfach gezogen. Wenn das in dir steckt, dann musst du los. Dann hält dich nichts mehr.

Was sind deine Insider-Tipps für Besucher?

Schwer zu sagen. Auf jeden Fall einen Mietwagen nehmen. Ansonsten sieht man nicht viel vom Land. Die Entfernungen sind einfach so groß. Alle 60 bis 100 km mal ein Ort. Die Busse fahren außerhalb der Saison nur eingeschränkt und auch nur die Terminals in den Städten an. Besser mobil bleiben. Beste Zeit November – Mitte Dezember und die Zeit zwischen Karneval und Ostern. Ach ja. Vegetarier und andere Ernährungsextremisten haben es nicht ganz einfach im Rinder Eldorado.

Und was würdest du jemandem sagen, der darüber nachdenkt ebenfalls nach Uruguay zu ziehen?

Er soll sich nicht in den Foren und FB Gruppen rumteiben und sich dort von frustrierten Auswanderern die Laune vermiesen lassen. Die Typen kommen teilweise mit den absurdesten Plänen an, die dann zwangsläufig schiefgehen. Die Leute haben nur einen eingeschränkten Wissenshorizont, da sie meist nicht der Sprache mächtig sind und auch mit ihren deutschen Partnern im Land leben. Damit sind sie von vielen internen Gesellschaftsereignissen ausgeschlossen. Am besten eine Uruguay Einwanderungsreise mit uns machen. Wir verkaufen nichts, außer unserem Wissen (das heißt meine uruguayische Partnerin und ich). Daher brauchen wir im Gegensatz zu Reiseanbietern, die auf Kundenfang sind oder Immobilienhändlern, die selbst hochwassergefährdete Gebäude den Ausländern andrehen, nicht zu lügen. Bei uns gibt es die transparente, teilweise bittere und ernüchternde Wahrheit über Land und Leben in Uruguay. Aber ich denke, besser einen kleinen Betrag in eine 4 bis 5 Tages Uruguay Auswandererreise investiert, als alles auf die falsche Karte gesetzt. Bei einer Einwanderungsreise, die immer ganz individuell und bedarfsgerecht von uns gestaltet wird, loten wir aus, wer wo wie am besten in Uruguay leben kann. Dazu gehört Background-Wissen über Schulen, Kosten, Hausbau, Hauskauf, Krankenhäuser und Krankenversicherung, aber auch Standortwahl hinsichtlich günstiger Verkehrsanbindung. Des Weiteren checken wir zusammen mit den Gästen, falls gewünscht, den Arbeitsmarkt aus. Das nur mal so im Groben.

Und zu guter Letzt: Wenn du Uruguay in 3 Wörtern beschreiben müsstest, welche wären es?

Uruguayyyyyyyyyyyyy no mas!!!!!! Hahaha. Das ist ein typischer Ausspruch hier, auch wenn es um die Fussball-Nationalmannschaft geht. Heisst so viel wie: „Nix geht über Uruguay“ .

Ich bedanke mich für deine Zeit, Mühen und Offenheit! Bis bald!

De nada !