Erst im letzten Jahr bin ich das erste Mal jemandem begegnet, der mir von seiner unvergesslichen Zeit auf einer Almhütte erzählte. Vorher war mir gar nicht bewusst, dass überhaupt die Möglichkeit besteht, zeitweise in den Bergen auszuhelfen. Welch entschleunigende und erdende Wirkung so ein paar Wochen Arbeiten auf einer Almhütte auf diese Person gehabt hatten, faszinierte mich. Trotz stressigem, strikt getaktetem Alltag, teilweise anstrengender und fordernder Arbeiten scheint der morgendliche freie Blick auf die Gipfel alles zu entlohnen. Darüber wollte ich noch mehr wissen und bin glücklicherweise auf Natalie gestoßen. Lest selbst…

Mit wem spreche ich?

Ich bin Natalie, 36 Jahre alt, verheiratet und Mama eines wunderbaren 5-jährigen Sohnes (der Mausebär). Wir sind am liebsten in der Natur unterwegs, und darüber erzähle ich seit einem dreiviertel Jahr auf meinem Blog.

Mein Start in den heutigen Tag sah folgendermaßen aus: Ich habe heute einen Tag Urlaub gehabt, daher war es gemütlich. Länger schlafen, ausgiebig duschen, gemütlich frühstücken und dann den Mausebär für den Kindergarten fertig gemacht.

3 Monate Arbeiten auf einer Almhütte: Natalies Erfahrung

Zu allererst: Wie ist dazu gekommen?

Das war 2004, zu der Zeit habe ich studiert und war irgendwie mit allem unzufrieden. Im Frühjahr habe ich dann spontan beschlossen, den Sommer in den Bergen zu verbringen. Über einen Internet-Bekannten bin ich schließlich auf die Stellenanzeige zur Mitarbeit auf der Adolf-Nossberger-Hütte in den Hohen Tauern gestoßen. Nach ein paar E-Mails zwischen dem Hüttenwirt und mir stand dann schnell fest, dass ich für 2,5 Monate in die Berge gehen würde.

Die Vorbereitungen waren geschickt anzustellen. Da man auf eine Alpenvereinshütte, die nur zu Fuß zu erreichen ist, nicht viel Gepäck mitnehmen kann, ging es vor allem darum, genau zu überlegen, was ich mitnehmen musste und auf was ich verzichten können würde.

Die Ankunft auf der Berghütte

Aufregend. Der Aufstieg zur Hütte. Das Kennenlernen von Hüttenwirt und Magdalena, mit der ich die nächsten Monate ein Zimmer teilen würde. Glücklicherweise haben meine Eltern mich begleitet (ich war damals 22) und die erste Nacht mit auf der Nossi geschlafen.

Der erste Eindruck war grandios. Die Hütte liegt wunderschön inmitten mehrerer 3000er und direkt an einem See.

Wie riecht es auf der Hütte?

Die Hütte hat einen ganz speziellen Geruch. Er wird geprägt vom Duft der Holzöfen in Stube, Küche und Trockenraum. Gemischt mit dem Geruch von frisch gebackenem Brot und Apfelkuchen.

Alltägliches Treiben inmitten der Berge

Früh aufstehen, Ofen einheizen und den Übernachtungsgästen das Frühstück zubereiten. Wenn alle zur nächsten Tour aufgebrochen waren, die Stube, Lager und Küche putzen. Danach ausgiebiges 2. Frühstück (möglichst in der Sonne auf der Terrasse) und ein wenig die Ruhe genießen.

Arbeiten auf einer Almhütte heißt Arbeiten rund um die Hütte (Holz hacken, Toiletten reinigen, Tipi aufbauen, …) und Vorbereitungen für den restlichen Tag treffen. Die Bewirtung der Tagesgäste, Zuteilung der Betten für neu ankommende Nächtigungsgäste, Bewirtung der Nächtigungsgäste, abwaschen und alles für den nächsten Tag wieder in Ordnung bringen, zählt auch alles zu den Hauptaufgaben.

Hüttenruhe ist immer um 22 Uhr, da endete dann auch meist mein Tag.

Überrascht hat mich, wie ich mich immer gefreut habe, wenn Gäste aus NRW (da komme ich her) da waren und man ein wenig „rheinisches Gemüt“ erleben konnte. Ich hatte vorher nicht damit gerechnet, die rheinische Mentalität zu vermissen.

Es hat eine Zeit gedauert, bis wir (Hüttenwirt und drei Mädels zu seiner Unterstützung) ein eingespieltes Team waren und jeder seine Rolle gefunden hat. Ansonsten hatte ich überhaupt keine Probleme mit der Eingewöhnung.

Was kannst du uns zu den Kosten sagen?

Ich hatte keine Kosten. Denn ich habe da oben ja gearbeitet. Gegen freie Kost und Logis und einen kleinen Obolus.

Die schönsten und schlimmsten Moment auf der Hütte

Puh. Das ist 14 Jahre später eine schwierige Frage. Ich hatte zweimal die Möglichkeit, auf den Hausgipfel steigen zu dürfen. Das war toll. Im Nachhinein erinnere ich mich aber am liebsten an viele ruhige Momente auf der Terrasse, in denen wir einfach nur die Aussicht und den Augenblick genossen haben.

Das Schlechteste, was passiert ist? Ich bin gestürzt und habe mir einen Cut in der Augenbraue zugezogen, als ich gerade alleine in der Hütte war. Das war zum einen sehr schmerzhaft und zum anderen aufgrund der Abgeschiedenheit auch irgendwie unangenehm.

Glücklicherweise kam Magdalena aber bald zurück und hat mich mit Schnaps (zum Desinfizieren und Trinken) und Klebepflastern versorgt.

Könntest du dir ein Leben auf einer Almhütte vorstellen?

Ja. Zumindest für eine gewisse Zeit würde ich es mit Mann und Mausebär sofort wieder tun.

Und was würdest du jemandem sagen, der ebenfalls darüber nachdenkt, einen Sommer auf einer Almhütte zu verbringen?

Allen, die ebenfalls darüber nachdenken einen Sommer auf einer Berghütte zu verbringen würde ich folgendes sagen: Tu es, es wird dich prägen und dein Leben bereichern.

Deine Zeit in den Bergen in 3 Wörtern?

Das gibt mir Berge.

(Sind leider 4 Worte, aber es war Magdalenas Spruch auf der Nossi – und er passt einfach so gut.)

Lieben Dank Natalie.

Quelle: Nossberger Hütte


„Es gibt viele Arten von Meditation. Einige von uns gehen in die Berge, einige laufen an einem Fluss entlang, einige stehen auf einem Hügel. Es gibt viele Orte, um ein wenig bei dir selbst zu sein, um der lärmenden Welt zu entkommen. Gib dir selbst eine Chance!“ – Christian, Nossberger Hütte, Nationalpark Hohe Tauern